Anlässlich der #fashionrevolutionweek möchte ich euch erzählen, wie Fairfashion im (bald) 5 Personen-Haushalt aussieht und ganz besonders, ob und wie es GEMEINSAM mit den Kindern machbar ist. (Wer nicht weiß, was die #fashionrevoluion ist, scrollt einmal ganz runter)

Vor einiger Zeit im Schuhgeschäft

„Mama, guck mal die Schuhe sind soo schön! Und sie kosten nur 9 Euro!“

In meinem Kopf sind sofort Bilder von Bangladesh, Kinderarbeit, Hautausschlägen, Chemikalien, deformierten Füße, und Schuhschränken mit Kunststoffgeruch. Aus meinem Mund kommt nur: „Ähhhhhh“. Denn die Gedanken sind wirklich nichts für ein Kind von damals 6 oder 7 Jahren.

„Ich könnte sie mir von meinem Geburtstagsgeld kaufen, wenn Sie Dir zu teuer sind“

In meinem Kopf bin ich erstaunt wie sehr die Kleine mitdenkt. Aber direkt danach folgen wieder Kunststoffgerüche, Blasen an den Füßen, und weitere unschöne Dinge. Ich höre mich sagen: „Ich möchte diese Schuhe nicht kaufen. Und ich möchte auch nicht, dass Du sie kaufst, auch wenn ich die Idee sehr nett von Dir finde.“

Es war so logisch, dass darauf Fragen folgen würden.

„Warum?“

FAIRFASHION dem Kind erklären? Ja! Aber wie?

Tja, da habe ich den Schlamassel. Jetzt muss ich da durch. Ich hatte es nicht anders gewollt. Wir haben uns in ein Eiscafé gesetzt und ich habe meiner Tochter erklärt, dass Dinge einen Wert haben. Und dass kein Schuh nur 9 Euro WERT sein kann. „Warum?“ Weil es Geld kostet, für diese Stoffschuhe Baumwolle anzubauen, zu ernten, zu verarbeiten, daraus Stoffe zu machen, diese zu färben… Dass es Geld kostet, diese Schuhe zu nähen und zu kleben. Dass es Geld kostet, damit diese Schuhe aus der Fabrik in den Laden gelangen. Weil die Menschen, die sich genau darum kümmern, genug Geld verdienen müssen, um auch ihren Kindern Schuhe zu kaufen. Dass von den 9 Euro nur ein Bruchteil bei genau diesen Familien hängen bleibt und dieser Bruchteil häufig so gering ist, dass sogar die Kinder mitarbeiten müssen, statt in die Schule zu gehen, damit die Familie genug zu essen hat. Ihr müsst euch zwischen all den Dingen noch ganz viele „Warums?“  und verständnislose Blicke vorstellen. Allerdings nicht etwa, weil das Kind mit den Informationen überfordert war, sondern weil sie nicht glauben konnte, dass es so etwas gibt. „Das ist total UNFAIR“ war ihr Fazit und es machte sich eine Mischung aus Wut und Fassungslosigkeit in ihr breit. Aber sie hat die Schuhe stehen gelassen und war stolz auf ihre Entscheidung.

Ich war erleichtert und froh, dass ich mich nicht vor dem Gespräch gedrückt habe. Ich hätte sie auch einfach vom Schuhregal wegziehen und die Diskussion mit einem schnöden „Jetzt nicht“ umgehen können. Ich hätte sie vertrösten können, Ausreden suchen, ablenken. Aber ich entschied mich für den ehrlichen und direkten Weg.

Natürlich hat uns das Thema immer wieder eingeholt. Es kamen zwischendurch noch etwas detailliertere Fragen, die ich ihr ehrlich, aber nicht immer bis in die Tiefe erklärt habe. Das wäre vielleicht doch etwas zu viel Realität für ein Kind.

#fashionrevolution

Wie geht´s im Alltag weiter?

Dass ein Produkt FAIR produziert werden sollte, habe ich dem Kind nun also erklärt. Ab sofort ausschließlich FAIRe Produkte zu kaufen, wäre die einfachste und für sie auch logischste Folge. Aber was ist, wenn diese FAIRen Schuhe einfach nicht sitzen? So groß ist die Auswahl an fairen Kindermarken leider nicht. Hinzu kommt noch, dass Kinder natürlich versuchen ihren eigenen Geschmack zu entwickeln und Ihnen auch nicht unbedingt genau und gerade diese Schuhe gefallen.

Also was tun? Da kommt für uns immer wieder die TRANSPARENZ ins Spiel. Wenn ich schon nicht auf einen ausgewiesen FAIR produzierten Artikel zurückgreifen kann oder möchte (teilweise auch aus Kostengründen – man sind das Preise, für Kleidung, die 6 Monate getragen werden kann). So möchte ich doch wenigstens wissen, was ich gerade kaufe. Wo kommt der Artikel her. Welche Schadstoffe sind evtl. enthalten. Wie sieht die Produktionskette aus. Ich wünsche mir eine Zutatenliste, wie auf Lebensmitteln und einen Herkunftsnachweis, wie beim Metzger.

Diese Woche startet zum 5. Mal die #fashionrevolutionweek. Denn vor genau 5 Jahren ist das Rana Plaza in Bangladesh eingestürzt. Eine Textilfabrik, in der tausende Menschen gearbeitet haben und gestorben sind. Pünktlich zum Jahrestag startet die Fashion Revolution ihre Social Media Kampagne #whomademyclothes für mehr Transparenz in der Modeindustie. Mehr zum Thema erfahrt ihr hier

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Unsere Lösung

Wir handhaben es so: 9 Euro für Schuhe und 2 Euro für T-Shirts können nicht FAIR sein. Da brauche ich keine Zertifikate, das schafft mein gesunder Menschenverstand. Wird also auch nicht gekauft. Ausschließlich FAIRe Kleidung kaufen, schafft mein Geldbeutel nicht. Ich kann keine 80 Euro für eine fair produzierte Kinderjeans ausgeben, die nach 8 Wochen Löcher in den Knien hat. Also versuchen wir es mit einer Mischung:

  • Kleidung, die dringend und kurzfristig benötigt wird, wird in der Minimummenge gekauft. Nicht ausschließlich FAIR – aus Kostengründen. Der Rest wird über Selbstgenähtes oder Gebrauchtes aufgestockt und mit ein paar hübschen, FAIREN Produkten aufgepeppt.
  • Kleidung die länger passt, dazu gehören Winterjacken, Jacken & Schuhe, werden möglichst FAIR gekauft oder von Marken, die eine gewissen TRANSPARENZ bieten. Dafür gibt es auch nur eine Jacke und ein Paar Schuhe in der Saison. Die Farbwahl bleibt gedeckt, sodass Kleidung an den nächsten weitervererbt wird.
  • Kleidung, die nicht mehr passt, kommt nicht in den Müll, sondern wird gespendet oder verkauft. Was wieder ein besseres Gewissen und ein paar Taler mehr für die nächsten FAIREN Produkte bringt.

 

Damit fahren wir bisher ganz gut denn ich möchte den Kindern nichts verbieten. Ich möchte ihnen nicht meine Haltung aufzwingen oder ihnen vielleicht sogar den Spaß an Mode nehmen. Aber ich möchte, dass sie BEWUSST konsumieren und wünsche mir für Ihre Zukunft mehr TRANSPARENZ.

Und dass sie bitte, bitte, bitte niemals mit prall gefüllten Tüten einer sehr großen, sehr sehr billigen Modekette nach Hause kommen, bei der einem schon beim Vorbeigehen die Chemikalien in den Kopf steigen. Aber das behalte ich erst einmal für mich. Schließlich möchte ich, dass sie das freiwillig nicht tun.

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