Alle reden von Biostoffen, Fairtrade und Öko-Tex Zertifikaten. Aber wisst ihr eigentlich, wo genau der Unterschied liegt? Falls ihr schon vollkommen aufgeklärt seid, was Biostoffe angeht, könnt ihr einfach weiter scrollen. Falls nicht, könnte das ein ziemlich interessanter Artikel  werden.

3 gute Denkansätze für das Nähen mit Biostoffen

Vorab möchte ich ein paar Sätze zitieren, die ich immer öfter höre:

Ich nähe selber, weil ich die Fast-Fashion-Industire nicht mehr unterstützen möchte.

Das ist super!!! Ein toller Schritt und einer der besten Wege selber zu erfahren, wie viel Arbeit in einem einfachen Shirt steckt. ABER: Wisst ihr woher eure Stoffe kommen, die ihr für euer Nähprojekt verwendet? Wer hat sie gewebt? Wer hat das Garn gefärbt und mit welchen Farbstoffen? Und woher kommt überhaupt der Rohstoff? Wurde er in Monokulturen mit vielen Pestiziden angebaut? Und zu guter Letzt: Wie geht es den Menschen in der Produktionskette? Werden sie gut bezahlt und unter welchen Bedingungen müssen sie arbeiten?

Ich wasche meine Stoffe immer vor. Dann sind die Schadstoffe raus.

Ja, das stimmt. Gute Idee. Ein Großteil der gefährlichen Stoffe ist dann aus der Kleidung raus. Oft aber nicht gleich nach der ersten Wäsche. Und wo ist der Schadstoff hin? Er hat sich leider nicht aufgelöst, sondern führt sein Leben im Trinkwasser weiter. Je nach dem, wie der Schadstoff so drauf ist, lässt ihn auch eine Kläranlage kalt und er freut sich schon auf ein neues Leben im Trinkwasser. Yippie.

Ich kaufe nur noch Stoffe mit Öko-Tex Zertifikat.

Auch das ist gut und es ist ein Anfang. Doch leider deckt Öko-Tex nur einen Bruchteil der Dinge ab, die kontrolliert werden können.

Ich habe mich in die Weiten des Internet begeben und möchte euch einmal eine Gegenüberstellung der häufigsten Zertifikate geben: 

Zertifikate für Biostoffe – Öko-Tex, GOTS & IVN Best

Öko-Tex – der Basistarif unter den Standards

Da Öko-Tex 100 Zertifikat ist das wohl am häufigsten verwendete Zertifikat. Leider berücksichtigt es nur die Konzentration der Schadstoffe im fertigen Stoff. Es berücksichtigt weder die Verwendung von Farbstoffen und giftigen Chemikalien im Produktionsprozess, noch die sozialen Bedingungen, unter denen der Stoff hergestellt wurde. Um es anders herum zu sagen: So ziemlich jeder Stoff ist nach mehreren Wäschen ein Öko-Tex 100 Stoff. Schade um das Trinkwasser, die Menschen in den Webereien, die Landwirte beim Baumwollanbau….  

GOTS – Der Super-Tarif unter den Standards

Bei GOTS-zertifizierten Stoffen wird wirklich alles betrachtet. Der komplette Prozess der Stoffproduktion wird unter die Lupe genommen. Wie wird der Rohstoff angebaut? Womit und wie wird der Rohstoff zu Garn und dann zu Stoff weiterverarbeitet? Welche Chemikalien werden eingesetzt? Und wie geht es den Menschen in dieser Produktionskette?

Um das GOTS-Zertifikat zu erhalten, dürfen eine ganze Reihe von Schadstoffen an keiner Stelle des Produktionsprozesses verwendet werden. Der fertige Stoff darf nur zu 30% aus künstlichen Fasern bestehen. Alle Standards werden jährlich überprüft, wodurch die Einhaltung der Regularien gut nachzuvollziehen ist. Warum die 30% künstliche Fasern trotzdem erlaubt sind? Weil es einige Stoffe gibt, die nicht aus reinen Naturstoffen und ohne Chemikalien produziert werden können. Funktionskleidung ist hier das wohl extremste Beispiel. Doch auch in der Sportbekleidungsindustrie tut sich etwas. Wer hier nach einem Gütesiegel sucht, sollte sich das Bluesign einmal genauer ansehen.

IVN Best – Ein neuer Standard, der noch weiter geht

Das relativ neue Siegel IVN Best interessiert sich für noch viel mehr. Hier geht es nicht nur um die Produktionskette und die darin vorkommenden Chemikalien, sondern auch darum, was nach dem Tragen passiert. Stoffe bzw. Kleidung mit diesem Siegel dürfen keine künstlichen Fasern enthalten. So ist sichergestellt, dass das Produkt am Ende seines Lebenszyklus vollständig biologisch abbaubar ist. 

Wie bereits erwähnt, ist dies nur eine Auswahl der am häufigsten zu findenden Siegel beim Stoffekauf. Wer sich noch intensiver mit dem Thema beschäftigen möchte -es lohnt sich-, dem kann ich den Flyer von Greenpeace sehr ans Herz legen.

Unter ökologischen Gesichtspunkten scheint es die beste Option zu sein, nur noch Stoffe mit IVN-Best-Logo zu vernähen. Leider ist die Auswahl dieser Stoffe nicht besonders groß. Stoffe mit GOTS-Zertifikat sieht man dagegen schon wesentlich häufiger. Es gibt sogar Online-Shops, die sich auf GOTS-Stoffe spezialisiert haben. Zwar sind die Herstellungskosten für den Produzenten aufgrund der vielen Vorgaben häufig höher und die Stoffe für den Endkunden damit teurer, doch scheinbar wird Nachhaltigkeit auch in der Nähszene immer wichtiger. Eine sehr schöne Entwicklung, wie ich finde.